Betlehem von Braun

Das Drama der Landschaft im Wandel der Zeit

Ein bedeutendes Element der komponierten Landschaft in der Umgebung von Kuks ist das einzigartige Skulpturenreservat, das nach seinem Schöpfer Betlehem von Braun genannt wird. Ohne Übertreibung stellt es die Spitze der europäischen Barockbildhauerei unter freiem Himmel dar.

In dem ursprünglichen Jagdrevier gründete der Besitzer des nahegelegenen Kuks, Graf Franz Anton von Sporck, das Betlehem von Braun. Dies geschah nach 1725, als in Wien ein gemeinsamer Plan des Herrn von Kuks und der Jesuiten aus dem nahegelegenen Schorsch (Žireč) zur Errichtung eines Kreuzweges von der Jesuitenresidenz in den Neuen Wald abgelehnt wurde. Sporck beschloss, die säumigen Jesuiten mithilfe von Skulpturen anzugreifen, die den Vätern von Schorsch zeigen sollten, wie lau sie in ihrer Frömmigkeit seien und dass es gerade Sporck sei, der den Herrn vorbildlich preise.

So entstand ein grandioses Theater biblischer Szenen, ergänzt durch Darstellungen aus dem Leben von Eremiten, die im Gegensatz zu den Jesuiten in Einsamkeit und Entsagung lebten. Mit den Arbeiten an der Ausschmückung betraute Graf Sporck seinen „Hofbildhauer“ Matthias Bernhard Braun (1684–1738). Besonders angesichts der monumentalen Eremiten Juan Garin und Onuphrius (beide um 1726) versteht man, warum der Bildhauer auch der „ostböhmische Michelangelo“ genannt wird. Der Zyklus der Heiligen wird durch die Statuen der Maria Magdalena und des Johannes des Täufers ergänzt. Das Areal erhielt seinen Namen nach dem zentralen Doppelrelief, welches die Geburt des Herrn und die Ankunft der Heiligen Drei Könige darstellt. Das Motiv Christi erscheint zudem über dem Jakobsbrunnen, wo Christus während seiner Wanderung durch das Heilige Land mit der Frau aus Samarien verweilte (ca. 1728).

Eine Reihe weiterer Werke ist leider bereits untergegangen. Von den erhalten gebliebenen seien beispielhaft die Statue des Engels Gloria oder die Statue des hl. Hieronymus genannt, die im Garten des hospitál Kuks bewundert werden können.

Der Lauf der Zeit im Neuen Wald (Nový les)

1717 – Der Herr von Kuks, Franz Anton von Sporck, kauft von der Stadt Dvůr Králové nad Labem den sogenannten Neuen Wald als letzten Teil seiner Herrschaft.

Vor 1725 – Das erste Relief von Braun entsteht im Wald: Die Vision des hl. Hubertus.

1725 – Sporck stimmt dem Vorschlag der Schorscher Jesuiten zu, durch den Neuen Wald einen Kreuzweg von der Ordensresidenz bis zum heute verschwundenen Berg (später Kalvarienberg genannt) zu errichten. In der Zwischenzeit verwandelt Sporck den Neuen Wald in einen „heiligen Hain“ der Eremiten und biblischen Szenen von M. B. Braun sowie in einen obligatorischen Ausflugsort für die Kuks-Badegäste.

1726 – Die Jesuiten treten vom Vertrag zurück, was beim Grafen auf unverhohlenen Unmut und Angriffe gegen die Schorscher stößt. Während der Arbeiten am Betlehem von Braun greift Braun zudem in Felsen ein, die jesuitischen Untertanen gehören, was zu weiteren Streitigkeiten führt, die 1729 in einer Anklage Sporcks wegen Ketzerei gipfeln.

Um 1730 – Anstelle des Kalvarienbergs lässt Sporck im Wald die Kapelle der Kreuzerhöhung errichten.

Vor 1735 – Es kommt zur Versöhnung zwischen Sporck und den Jesuiten.

1738 – Tod von Graf Sporck sowie des Bildhauers Braun; Ende des Badebetriebs in Kuks als lebendige gräfliche Residenz; das Betlehem von Braun wird verlassen.

Nach 1750 – Verlegung einiger gut erhaltener Statuen (z. B. Der große christliche Ritter) in den Garten des hospitál Kuks.

Um 1770 – Erster Bericht über den Zustand des Betlehems (Bischof Bienenberg aus Königgrätz). Das Werk wird in einem Zustand beschrieben, der fast dem heutigen entspricht – verursacht vor allem durch menschliche Rücksichtslosigkeit und unsachgemäße Forstwirtschaft.

Vor 1780 – Kämpfe im Rahmen des sogenannten „Kartoffelkrieges“ in unmittelbarer Nähe des Betlehem von Braun.

1780–1790 – Intensiver Steinabbau für den Bau der Festung Josefov, der danach stoßweise bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts andauert.

19. Jahrhundert – Erstes touristisches Interesse am Neuen Wald; erste Bemühungen und Versuche zur Rettung und Konservierung des Werks.

Beginn des 20. Jahrhunderts – Erste kunsthistorische Arbeiten über das außergewöhnliche Werk Brauns.

30er–60er Jahre des 20. Jahrhunderts – Tätigkeit des Bildhauers und Restaurators Josef Wagner (unterbrochen durch den Krieg); Instandhaltung und Restaurierung der Statuen nach damaligen Vorstellungen.

1958 – Das Betlehem von Braun wird zum Kulturdenkmal erklärt.

1987 – Ausrufung der Schutzzone des Denkmalreservats.

2001 – Das Betlehem von Braun wird zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt und in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

2014 – Nach umfangreichen Diskussionen finden experimentelle restauratorisch-konservatorische Eingriffe am Hauptrelief statt, die die Richtung für die weitere Pflege des Denkmals vorgeben.

2018 – Im März wurde ein Memorandum über die Zusammenarbeit bei der Erneuerung des Betlehem von Braun unterzeichnet; eine Arbeitsgruppe erstellt die finale Projektform.

2021 – In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Restaurierung der Universität Pardubice wurden alle Statuen einschließlich des Hauptreliefs fachmännisch gereinigt.

2026 – Studenten der Fakultät für Restaurierung der Universität Pardubice kehren in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des hospitál Kuks regelmäßig zum Betlehem zurück, um die Statuen und das Hauptrelief zu reinigen.